Mut und Gottvertrauen mit staatlicher Unterstützung
Die Siedlung Neugnadenfeld entsteht

Die Flüchtlingsfrau Ottilie Bauer schöpft Hoffnung, als sie hört, dass Herrnhuter im Bourtanger Moor siedeln. Wie kommt diese Nachricht zustande?
Einige aus den Ostgebieten vertriebene Herrnhuter sammeln sich bei Bischof Hermann Steinberg in der Lüneburger Heide. Steinberg hat den Auftrag, eine neue Heimat für sie zu finden. Er wendet sich an Hinrich Wilhelm Kopf im Oberpräsidium Hannover. Die einzige Möglichkeit der Hilfe, die Kopf gewähren kann, ist die Zuweisung des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers Alexisdorf im Moor. Steinberg schildert nach dem ersten Besuch der Gegend den Brüdern in der Lüneburger Heide, wie lebensfeindlich dieser Ort erscheint. Dennoch beschließen die versprengten Herrnhuter im März 1946, das Wagnis einzugehen, im unwirtlichen Moor zu siedeln.
Die neuen Siedler beziehen schon im April das Lager. Ein Raum steht pro Familie zur Verfügung, dünne Holzwände trennen sie voneinander. Die Unterkünfte, die noch bewohnbar sind, wimmeln von Wanzen und anderem Ungeziefer. Ein unglaublicher Aufgabenberg liegt vor den Menschen, die die Kraft zu seiner Bewältigung aus ihrem Glauben ziehen. Das ehemalige Lager Kasino wird bereits im Mai 1946 zum Kirchensaal.
Die Männer arbeiten für 52 Pfennig Stundenlohn im Moor. Die Entwässerungsgräben müssen von Hand gezogen werden, die riesigen Ottomeyer-Pflüge helfen bei der Kultivierung. Die Siedlung für 800 Seelen wächst von außen nach innen, denn bevor die Baracken verschwinden können, brauchen ihre Bewohner ein neues Heim.
Finanzielle Hilfe bringt der 1950 beschlossene Emslandplan. Kein Neusiedler kann allein 15 000 DM Baukosten aufbringen, soviel kostet ein Siedlungshaus mit bis zu zwei Hektar Land, wodurch sich die Siedler mit landwirtschaftlichen Produkten für den Eigenbedarf versorgen können. Die Versorgung der Bevölkerung ist durch die 19 Bauernhöfe gewährleistet, die auf den kultivierten Moorflächen entstehen.
1957 weichen die letzten Holzbaracken den Steingebäuden im Ortskern. Die neue Kirche wird 1959 eingeweiht.

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Großes Bild
1958 beginnt in unmittelbarer Nähe zu den letzten bewohnten Baracken der Neubau der Kirche.


Linkes Bild
Ein Ottomeyer-Tiefpflug „Mammut" bei der Urbarmachung des Moores. Dabei wird die Erdkruste bis zu einer Tiefe von 180 Zentimetern umgebrochen.

Rechtes Bild
Nicht nur beim Aufbau der Post packen alle mit an. Die Baumaterialien für die neuen Häuser kommen mit dem Schiff auf dem Kanal an. Die Neugnadenfelder laden sie von Hand auf Feldbahnloren damit die Transporte zu den Baustellen erfolgen können.

Geschichtspfad 11-12

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