Klosterbrüder und Kolonisten
Die ersten Siedler im Moor

Die Pioniere im Bourtanger Moor sind Mönche des Mittelalters: 1152 wird in der Grafschaft Bentheim das Kloster Wietmarschen gegründet, dessen Bewohner die Moorflächen ringsum kultivieren.
Gezielte Planungen zur weiteren Kultivierung gehen erst in der Neuzeit von den weltlichen Landesherren aus. 1647 beginnt Dr. Johan Picardt mit der Erschließung der Moore im Nordosten der Grafschaft. Er hat vom Grafen von Bentheim den Auftrag, Verkehrswege zum Emsland und Siedlungsflächen zu schaffen. Die so entstandene Kolonie trägt seinen Namen: Piccardie. Heute kennt man sie als Alte Piccardie, denn ihr Vorbild führt 1775 zur Gründung der Neuen Piccardie. Diese heißt seit 1862 Georgsdorf, nach König Georg V., der der Gemeinde ihre Kirche stiftet.
Die Flächen im Gemeinbesitz der einzelnen Bauerschaften in Groß-und Kleinringe werden in den Jahren 1865 bis 1896 zwischen allen Berechtigten aufgeteilt. Dabei erhält der Fürst von Bentheim und Steinfurt eine zusammenhängende Fläche von 610 Morgen. Hier siedelt er 16 Kolonisten an, die unter schwierigsten Bedingungen eine Existenz aufbauen. Diese Siedlung erhält den Namen Alexisdorf, benannt nach Fürst Alexis von Bentheim.
Das Sprichwort der örtlichen Bevölkerung über das Moor hat bis ins 20. Jahrhundert Gültigkeit bewahrt: „Des ersten Tod, des zweiten Not, des dritten Brot." Die vorindustrielle Moorkultivierung erlaubt erst der dritten Generation ein Auskommen auf dem kultivierten Grund. Die großen dampfbetriebenen Ottomeyer-Pflüge, die in den 1950er Jahren in Betrieb genommen werden, beschleunigen die Kultivierung der Moorflächen.

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Typische Siedlerstelle im Moor.  Die niedrigen Häuser mit ihrem Baumbestand sind die einzigen Erhebungen  in der flachen Moorlandschaft.


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Dr. Johan Picardt wird 1647 durch den Bentheimer Grafen Ernst Wilhelm zum „Directeur" des Hochmoores berufen. Er ist nicht nur als Moorkolonisator bekannt, sondern auch als Arzt, Schriftsteller und evangelisch-reformierter Pastor. 1670 stirbt der gebürtige Bentheimer im Alter von 70 Jahren im niederländischen Coevorden. Im 20. Jahrhundert setzt man ihm durch die Namensgebung des Piccardie-Coevorden-Kanals ein spätes Denkmal.

Rechtes Bild
Moorkolonisten vor ihrem Wohnhaus. Noch bis ins 20. Jahrhundert führen die Menschen im Moor ein entbehrungsreiches Leben.

Geschichtspfad 1-12

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