In sechs Jahrhunderten aus Böhmen in alle Welt
Die Geschichte der Herrnhuter Brüdergemeine

Bereits der Beginn der Brüder-Unität ist geprägt von Krieg, Flucht, Vertreibung und Neubeginn an immer neuen Orten.
Im Jahr 1457 wird die alte Brüder-Unität im damals böhmischen Kunvald gegründet. Sie ist eine der ersten protestantischen Kirchen. Ihre Gründer sind Hussiten. Der radikale Flügel der Anhänger von Jan Hus hat in Böhmen 17 Jahre bis zur Niederlage 1437 bewaffnet gegen König und Papst gekämpft.
Die Böhmischen Brüder in Kunvald leben gewaltlos im Sinne des Urchristentums. Sie verweigern den weltlichen Herren Untertaneneid und Kriegsdienst. Bereits 1460 verbietet König Georg von Podiebrad nach anfänglicher Unterstützung die Brüder-Unität.
Doch die Böhmischen Brüder wirken im Untergrund weiter. Den Willen, als christliche Gemeinschaft zusammen zu leben, kann auch Verfolgung nicht brechen. Die Unität setzt die Gemeinde-und Bildungsarbeit in der Illegalität fort.
Der Westfälische Friede von 1648 zwingt alle, die nicht die Konfession des Landesherrn annehmen wollen, das katholisch regierte Böhmen zu verlassen.
1722 finden einige Brüder in Sachsen eine neue Heimat. Auf dem Gut von Nikolaus Graf von Zinzendorf gründen sie den Ort Herrnhut - in der Obhut des Herrn. Hier kommt es zu Konflikten mit den Angehörigen anderer protestantischer Glaubensgemeinschaften, die ebenfalls in Herrnhut Zuflucht gefunden haben. Die feierliche Versöhnung am 13. August 1727 ist die Geburtsstunde der Neuen Brüder-Unität, der Herrnhuter Brüdergemeine.
Die weltweite Missionsarbeit der Herrnhuter beginnt 1732 auf den Sklavenplantagen der Karibik. Sie begegnen den Menschen dort von Gleich zu Gleich und verkünden Gottes Wort, indem sie es auch leben: Sie verbessern die Lebensumstände der Sklaven durch medizinische Versorgung und Schulbildung. Schnell übernehmen die neuen Glaubensbrüder Verantwortung und tragen nicht nur die Missionsarbeit mit, die bald von Grönland bis Südafrika reicht.

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Nikolaus Graf von Zinzendorf in Herrnhaag (Ölgemälde von Valentin Haidt, 1747, Ausschnitt). Herrnhaag und Marienborn in der Wetterau werden nach Zinzendorfs Verbannung aus Sachsen gegründet. Der Landesherr Graf Gustav Friederich zu Ysenburg-Bündingen war den Herrnhutern jedoch nicht so gewogen wie sein Vater. Unter anderem fordert auch er von der Gemeine den Untertaneneid. Da der Evangelist Matthäus jedoch jeglichen Schwur als „Übel" bezeichnet, verweigern sich die Herrnhuter auch in diesem Fall und müssen in der Folge auch Herrnhaag und Marienborn verlassen.


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Geistige Heimat in Zeiten der Heimatlosigkeit: Bischof Johann Amos Comenius (1592-1670) hält die Brüderunität während und nach dem 30jährigen Krieg zusammen. Als Theoretiker und Lehrer gibt er der Pädagogik eine neue Richtung, die bis heute fortwirkt. Das COMENIUS-Programm der EU zur Förderung der europaweiten Zusammenarbeit von Schulen trägt seinen Namen.

Rechtes Bild
Kirchensaal (links) und Schulgebäude (vorne rechts) der Brüdergemeine in Fulnek, Mähren. Hier wirkt Comenius von 1618 bis 1621, bevor er wegen der einsetzenden Gegenreformation untertauchen muss. Wie wichtig der Brüder-Unität neben der Gemeindearbeit die Bildungsarbeit ist, zeigt sich auch in der Baugestalt ihrer Ansiedlungen. Häufig befindet sich das Schulhaus direkt neben dem Kirchensaal so wie in Fulnek.

Geschichtspfad 10-12

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