Franka Hörnschemeyers begehbare akustische Installation Koordinaten

Für ihre Installation verwendete Hörnschemeyer das für ihre Werke typische Material der Betonschalelemente. Daraus fügte sie eine mehrteilige Konstruktion zusammen, die sich labyrinthisch von einem Zentrum ausgehend inmitten des kleinen Waldes erstreckt. Das eiserne Gitterwerk dient eigentlich zum Guss der Betonwände von Häusern. Einzelne Teile innerhalb des offenen Gitterwerks wurden durch Wandelemente geschlossen, um die freie Sicht zu unterbrechen und wechselnde Raumsituationen zu schaffen. In jedem dieser offen angelegten Räume sind Lautsprecher angebracht, aus denen leise die Stimmen von Anwohnern zu hören sind, die Geschichten aus ihrem Leben erzählen. Zusammen mit der Berliner Filmemacherin Katrin Eißing hatte Hörnschemeyer aus dem Interviewmaterial Passagen ausgewählt und geschnitten, die durch die von Frank Fietzek (Berlin) installierte Technik nun dauerhaft zu hören sind.

Wer über einen Trampelpfad auf das eher unauffällige Kunstwerk im Wald trifft, dem wird der mehrteilig angelegte Kunst- und Naturraum schnell zu einem Erinnerungs-, Gedächtnis- oder Gedankenraum. Vor dem Hintergrund der mörderischen Geschichte des NS-Kriegsgefangenenlagers Alexisdorf und der in der Nachkriegszeit von Hoffnung, Pioniergeist und Tatendrang beseelten Besiedlung der Herrnhuter Brüdergemeinde auf dem 'neuen Gnadenfeld' eröffnet das Werk dem Besucher vielfältige Assoziationen. Mit den leisen Erzählungen in den offenen Klang- und Hörräumen hat hier nahezu geisterhaft eine vielfach vergessene Vergangenheit eine Stimme bekommen und flüstert aus dem Nichts den Menschen zu. Dabei sind die Stimmungen von großer Ambivalenz: Können die Erzählungen aus der Lagerzeit beklemmend sein, wird der Aufbau aus der Nachkriegszeit zur ermutigenden Botschaft. Auch die Interpretation der Raumskulptur selbst überlässt dem Betrachter Deutungsvielfalt: Die räumlich strukturierten Betonschalelemente können ebenso eine aufgegebene und verlassene Baustelle wie der erste Rohbauabschnitt für etwas Neues und Kommendes sein.

Auszug aus den Grafschafter Nachrichten vom 26.09.2011


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